Leseproben

Der Lärm der Stille:

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Der Freigänger von Stadelheim:

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Ausschnitt aus Kap.2 „Köstlbachers Albtraum“

»Was der leitende Stationsarzt bezüglich des Toten übers Telefon durchgegeben hat, habe ich ehrlich gesagt nicht so ganz verstanden. Bin schließlich kein Mediziner. Du kennst denen ihr Deutsch ja. Lauter chinesische Dörfer!«, beginnt der Liebknecht.
»Bring’s einfach auf’m Punkt!«, unterbricht der Köstlbacher. Schließlich dauert die Fahrt zum Bezirksklinikum nicht ewig und er möchte vorab wenigstens die Eckdaten wissen.
»Ein gewisser Hans Hebauer, stationärer Patient im Bezirksklinikum, wurde heute tot in seinem Bett aufgefunden. Allem Anschein nach ist es offensichtlich, dass er keines natürlichen Todes gestorben ist«, fasst der Liebknecht nun beinahe etwas zu extrem zusammen.
»Was heißt hier offensichtlich?«, bohrt der Köstlbacher nach.
»Der Stationsarzt, ein gewisser Dr. Hammstig, hat irgendwas von wegen Durchtrennung der ›Arteria carotis communis‹ gefaselt«, antwortet der Liebknecht. »Vielleicht hat ihn jemand abgestochen? Oder geschächtet wie ein Schaf, wenn dir der Vergleich lieber ist.«
»Im Klinikum? Im Bett?«, spöttelt der Köstlbacher.
»Was weiß ich! Wir sind eh gleich da. Dann werden wir’s erfahren!«
Auch wenn’s der Köstlbacher gar nicht mag, wenn ihn sein Mitarbeiter nur so spärlich mit Informationen versorgen kann, die paar Minuten muss er sich nun wohl oder übel gedulden. Er brummelt zwar noch, seinen Unmut zur Geltung bringend, unverständlich vor sich hin, sagt aber weiter nichts mehr.

Es dauert auch wirklich nur noch wenige Augenblicke hinauf zum Bezirksklinikum. Beim Anblick des Gebäudes bekommt der Köstlbacher spontan ein schlechtes Gefühl im Bauch. Erst vor wenigen Monaten hat er sich hier vom Prof. Dr. Neumann, dem Chefarzt der Psychiatrie, untersuchen lassen. Die Anna hat ihn damals nach der Sache mit seinen Albträumen so lange bearbeitet, bis er sich endlich einen Termin bei diesem Spezialisten hat geben lassen. Verraten hat ihm den Facharzt sein Duzfreund, der Dr. Ernst Kroner von der Gerichtsmedizinischen. Der kennt den Psychiater schon vom Grundstudium der Medizin her. Der Ernst hat gemeint, dass der Dr. Neumann echt eine Koryphäe auf seinem Gebiet wäre. Im Nachhinein gesehen ist er das vielleicht doch nicht, weil der Köstlbacher nach einigen ›Liegungen‹ bei ihm zwar keine neuen Albträume mehr gehabt hat, aber dafür andere Probleme. Darüber reden, wie diese ›Liegungen‹ abgelaufen sind, das kann der Köstlbacher selbst heute noch nicht. Nicht einmal seiner Anna gegenüber.

Weil, eines musst du wissen, so eine Therapie bei einem Psychiater, das kein normaler Arztbesuch. Der fragt dich nicht nach deiner Verdauung und so. Was du dem erzählen sollst, ist in der Regel viel peinlicher als die paar Winde, die dich drücken. Wenn du ein praktizierender Katholik bist, so einer, der auch das mit dem Beichten ernst nimmt, dann hast du schon ein bisschen Routine, und eine ›Liegung‹ beim Psychodoktor ist nicht mehr gar so gewöhnungsbedürftig für dich. Trotzdem ist es natürlich ganz was anderes, ob du im Beichtstuhl kniest und von deinem Beichtvater höchstens seine Weinfahne oder seine Vorliebe für Knoblauch registrierst, optisch aber kaum was von ihm ausmachen kannst, weil engmaschiges Lochgitter und so. Oder ob du auf einer Couch liegst und deinen Therapeuten mit einem Aufnahmegerät, zumindest aber mit einem Block und einem Kugelschreiber bewaffnet, neben dir in seinem Sessel sitzen siehst. Weil mitschneiden oder Notizen machen, das hat der Priester nicht nötig, weil, der quasi nur Sendemast für seinen Arbeitgeber da oben, wo alles nur immateriell oder sphärisch gespeichert wird. Aber, der Psychiater auch nur ein Mensch. Nach dir hat der wieder einen anderen Couchlieger. Und, da ist es fürs Protokoll nicht verkehrt, wenn hinterher was Schriftliches da ist, was für die nächste ›Liegung‹ als Grundlage zum weiter Therapieren hergenommen werden kann. ……………

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Ausschnitt aus Kap.1 „Villapark“

Download Ausschnitt aus Kap.1 „Villapark“


Köstlbachers erster Fall

Download 1.Kapitel „Köstlbachers“ erster Fall


Schafe dürfen nicht im ICE

(Kurzgeschichte aus BLICK FÜRS WESENTLICHE)

…Beim nächsten Bus nehme ich am Einstiegskampf teil. Obwohl ich mich brav anzustellen versuche, werde ich, meine Tasche fest umklammernd, von der Menge in Richtung Bus, hintere Tür geschoben. Anstellen hat was mit stehen zu tun. Ob ich wirklich stehe, wage ich zu bezweifeln. Versuche einmal, eingeklemmt in der Masse, deine Füße hoch zu ziehen. Wenn du’s schaffst, dann bist du sicher auf dem richtigen Weg, denn alle wollen in dieselbe Richtung. Je näher der Eingang zum Bus auf dich zukommt, je weniger ist es noch nötig, wenigstens ab und zu mit den Füßen den Boden zu berühren. Dann, endlich, du hast es geschafft! Du steckst im Bus! Plätze natürlich alle längst besetzt, aber immerhin noch ein Schwebe-Stehplatz da. Eingeklemmt zwischen jungen, unentwegt kichernden Dingern, einer Familie, die sich abwechselnd mal auf türkisch, mal auf bayerisch unterhält und pickeligen jungen Männern, die vor Saft und Kraft kaum aufrecht stehen können und sich mit einer Hand am Busen oder Po ihrer Freundin und mit der anderen an einer Bierflasche festklammern, verschließt du deine Nasen besser, obgleich dich der Geruch der dunklen Türkin in ihrem blauen Pullover, Mutter zweier quengelnder Kinder schon interessiert hätte. Aber zu viele Nebengerüche! Besser, diesmal nur die Augen weiden lassen. Magere Weide!! Konzentration auf nicht Umfallen besser!

20 Minuten Fahrt bis Moosburg angekündigt. Sind aber gefühlte 40 Minuten. Komm nicht an meine Uhr ran. Wage es nicht, die Hand vom Haltegriff loszulassen. Will mit der überlangen Kleinen hinter mir nicht zu intim werden.

Konzentriere mich auf die Gegend. Niederbayerisch! Erinnerungen an Niederbayern kommen hoch. Keine guten! Schon auf der Fahrt nach Landshut versuchte Verdrängung. Die Gegend kann nichts dafür. Sollte hier nicht alleine unterwegs sein. Beim nächsten Mal wieder besser in Begleitung. Unterhalten lenkt ab.

Am Bahnhof in Moosburg wirst du zum Schaf in der Herde. Blicken alle blökend in die Richtung, aus der der Ersatzzug kommen soll. Kommt auch. Ist aber kein Ersatzzug. Rauscht volle Pulle durch. Na sauber! Noch ein „Ersatzzug“. Rauscht wieder durch. Ein ICE. Klar, dass der nicht hält. Ist was Besseres. Nimmt keine Schafe mit. Nächster Zug. Diesmal Güterzug. Alle starren ihm nur blöd nach! Hat Schweine geladen, keine Schafe!

Neben mir, hinter mir, vor mir, an meiner Seite, ich wechsle ständig meine Warteposition, Masse, Menschenmasse. Alle verschwimmen, werden undeutlich. Ein hübsch anzusehendes, dunkelblondes Mädchen. Sie verschwimmt nicht. Mädchenhafte Figur, runder Po (Jeans!), kleiner Busen, absolut niedlich, könnte meine Enkeltochter sein, wenn ich selbst mit dem Vaterwerden nicht so lange gewartet hätte. Schäme mich fast, sie anzusehen. Unsere Blicke kreuzen sich mehrfach. Ihre Augen sind freundlich, keinesfalls abweisend. Scheint, ich erinnere sie an ihren geliebten Opa. Drehe mich weg.

Blondine aus dem Abteil plötzlich vor mir. Trotz Problemübereinstimmung, quasi gemeinsames Leid, keine weiteren Übereinstimmungen. Abweisend. Kühl.

Dann endlich der richtige Ersatzzug schleicht in den Bahnhof und kommt zum Stehen. Platz für alle! Stehplatz für alle! Sitzplätze für wenige. Glück! Sitzplatz für mich neben einem jungen, übermüdeten Polizisten. Schläft tief. Keine Konversation! Träumt lebhaft. Seine Hände und seine Arme zucken unentwegt, unkontrolliert. Bei der Ankunft in München frage ich ihn:
„Gut geträumt? Sie waren ganz schön unterwegs!“
„Danke, ja, hab’ tief geschlafen. Hoffentlich habe ich Sie nicht geprügelt!“
„Schon okay!“, lache ich.
„Endstation?“, fragt er.
„Nein, muss noch weiter nach Garmisch“, antworte ich.
„“Dann noch gute Fahrt!“, lächelt er.

Da hast du’s nun endlich bis München geschafft. Ist allerdings erst die halbe Strecke. Zwei Anschlüsse nach Garmisch-Partenkirchen wären schon gewesen. Auf den dritten musst du nun noch 40 Minuten warten. Hauptsache, die in Garmisch warten auch auf dich! Und einen Flieger hast du schließlich nicht verpasst. Positiv denken!

Du weißt selbstverständlich, zu welchem Bahnsteig du wechseln musst. Bist ja nicht zum ersten Mal nach Garmisch unterwegs. Allerdings zum ersten Mal ohne Begleitung.

Du wechselst den Bahnsteig. Dein Zug steht schon bereit. Der richtige. Steht drauf! Sieht noch leer aus. Ist auch noch fast leer.

Da ist plötzlich wieder das alte Parkproblem. Wo parke ich ein, wenn der ganze Parkplatz frei ist? Da hast du gar keine Chance mehr, vernünftig zu zielen. Auch dein Mercedesstern taugt da nicht mehr als Zielvorrichtung. Wie sollst du also jetzt deinen Ober-Nobel-Hobel wirkungsvoll neben einer Rostlaube abstellen?

An zwei/drei Wagons gehe ich vorbei. Mittig sitzen ist fast wie im Lokal, mit dem Rücken zur Wand sitzen. Deine Urinstinkte veranlassen dich dazu. Wenn du eine Wand im Rücken hast, kommt kein Feind und kein wildes Tier an dich ran. Und was das Ganze projiziert in unsere moderne Zeit betrifft, z.B. im Flugzeug oder im Zug: Passieren tut’s doch meistens hinten oder vorne. Schon bei den Neandertalern hatte der mittlere von den dreien, die hintereinander auf Jagd gingen, die größten Überlebenschancen. …

Arztbesuch

(Kurzgeschichte aus BLICK FÜRS WESENTLICHE)

Mein Termin ist um 8.45 Uhr. Eigentlich eine Superzeit, weil wenn du schon so früh einen Termin beim Arzt hast, dann kannst du schon damit rechnen, dass du vom Tag noch was mitkriegst. Ich meine, es kommt natürlich total drauf an, ob Quartalsanfang oder Quartalsende ist. In der Klinik, da spielen solche Feinheiten keine Rolle. Da wirst du nicht gefragt, ob dein Blinddarm am Quartalsanfang oder am Quartalsende raus muss. Der muss eben raus, wenn er spinnt. Und dabei richtet der sich nicht nach solchen Zeitintervallen. Außerdem ist die Klinik ja auch was ganz Anderes. Dort ist alles so teuer, dass du die 10 € Quartalsgebühr vergessen kannst. Die reichen da nicht einmal für die Kaffeekasse.
Beim Hausarzt hat das mit den 10 € irgendwie einen anderen Stellenwert. Da wirst du gegen Quartalsende einfach nicht krank, weil die 10 € sparst du. Die Politiker hätten das bedenken sollen. Stell dir doch einfach mal vor, es wäre jeden Tag Quartalsende. Da wird doch keiner mehr krank.
Meistens vergess’ ich ja, dass gerade Quartalsanfang oder Quartalsende ist, wenn ich zum Arzt gehe. Wenn dann einmal keiner außer mit da ist, dann erinnere ich mich wieder, dass Quartalsende ist. Das finde ich dann ja auch ganz schön. Andersrum passiert’s mir leider öfter. Bestimmt Zufall. Aber lästig ist’s schon, wenn du die Tür zur Praxis aufmachst und sie dem hintersten in der Reihe schon mal ins Kreuz haust. Wenn’s der nicht schon im Kreuz hat, dann dauert’s noch länger, bis du drankommst, weil dem sein Kreuz jetzt auch noch behandelt werden muss.
Aber heute ist weder Quartalsanfang noch Quartalsende. Wer heute beim Arzt ist, der ist einfach wegen seiner Beschwerden da und nicht wegen der 10 €. Weil ich noch zu früh dran bin, bietet mir eine Arzthelferin erst mal einen Stuhl an. Ich bin immer zu früh dran. Lieber zu früh, als zu spät. Wenn du zu spät dran bist, dann kann sein, dass du gar nicht mehr dran kommst. Jetzt gehe ich schon seit meiner Kindheit zum Arzt, erst mit meiner Mutter, dann allein, dann mit meinen Kindern als Vater, manchmal mit meiner Frau und heute wieder allein, aber dieses Wartesystem hab’ ich immer noch nicht ganz verstanden. Kommst du eine Stunde zu spät, dann heißt es:
„Herr Müller, Sie hatten schon vor einer Stunde einen Termin. Jetzt ist leider alles voll. Wenn Sie noch warten wollen!? Das kann aber schon noch ein/zwei Stunden dauern.“
Kommst du aber richtig, so wie du deinen Termin ausgemacht hast, dann bietet man dir höflich einen Platz an und sagt:
„Nehmen Sie bitte einstweilen noch im Wartezimmer Platz. Es dauert nicht mehr lange. Sie werden aufgerufen.“
Das nicht mehr lange ist dann meistens auch eine Stunde. Also, da frag’ ich mich doch, warum ich eine Stunde warten muss, aber keine Stunde später kommen darf, weil ich dann zu spät dran bin. Aber aus langer Erfahrung wird man klug, auch wenn man nicht versteht, warum das alles so und nicht anders läuft. Ich komme also nach wie vor zu früh. Da muss ich mich dann nicht ärgern, weil man mich warten lässt, weil es ja sowieso klar ist, dass ich warten muss, weil ich ja zu früh dran bin.
Und außerdem ist da ja auch noch das Problem mit dem Parkplatz. Das habe ich immer dann, wenn ich zu einem Arzt gehe, der mitten in der Stadt seine Praxis hat. Da kannst du an den Parkuhren nämlich nur bis 9.00 Uhr frei parken. Wenn du dann einen Termin um 8.30 Uhr hast, dann musst du deine Wartezeit dazu rechnen und außerdem weißt du auch nicht, welche Untersuchungen heute wieder einmal mit dir gemacht werden müssen und wie zeitaufwändig die sind. Kannst also überhaupt nicht einschätzen, wie lange du deinen Parkplatz brauchst. Wirfst du für die Höchstparkdauer 2 € in die Parkuhr, dann ärgerst du dich gewaltig, wenn du gerade heute einmal nicht lange warten musstest, weil vielleicht gerade Quartalsende ist, was du natürlich vergessen hast, und weil keine zeitaufwändigen Untersuchungen nötig sind. Kommst dann nach einer Viertelstunde wieder zu deinem Auto und hast das ganze Parkgeld zum Fenster raus geworfen. Einkaufen gehen kannst du jetzt auch noch nicht, weil alles noch zu ist. Gehst in ein Café, dann wird der Arztbesuch noch teuerer. Also, was ist die Lösung? Du entscheidest dich für das Parkhaus. Das ist, wenn du das richtige wählst, in der ersten Stunde frei und danach musst du nur mehr oder minder die tatsächliche Parkzeit bezahlen. Weil aber das Parkhaus nicht in der Nähe des Arztes ist, musst du mehr Zeit einplanen. Damit ja nichts schief geht, gibst du der ganzen Planung noch einen Zeitpuffer dazu. Und schon bist du plötzlich eine Stunde eher zum Arzt unterwegs, als das eigentlich nötig wäre.
………….Beim Neurochirurgen sind irgendwie ganz andere Leute. Nicht dass keiner von denen eine Brille aufhätte, aber auf das achtest du beim Neurochirurgen einfach nicht, weil ob du gut siehst oder nicht, das will beim Neurochirurgen niemand wissen, am allerwenigsten der Neurochirurg selbst. Weil der nicht nur ein Neuro, sondern auch ein Chirurg ist, also quasi 2 Fachärzte in einer Person, will der auf seinen Chirurg nur ungern verzichten. Als Neuro diagnostiziert er dich und als Chirurg versucht er sein Gehalt aufzubessern, weil deine Besuche in seiner Praxis zum Diagnostizieren reichen für ihn nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Außerdem verfügt er zum Diagnostizieren über die wenigsten Geräte, die eine Arztpraxis nur haben kann. Sein wichtigstes Hilfsmittel ist ein kleiner Hammer, satt aus Eisen aus Hartgummi. Mit dem traktiert er dich an allen möglichen Stellen und will sehen, ob du einen Zuckerer machst. Wenn du nicht zuckst, dann sieht’s schlecht aus für dich. Weil dann bist an irgendeiner Stelle praktisch schon tot. Vielen seiner Patienten fehlt es ja im Kreuz. Deshalb waren sie vorher schon beim Orthopäden, weil wehgetan hat ihnen ja der Fuß und nicht das Kreuz. Das Kreuz schon auch, beim Aufstehen und Bücken, aber der Fuß meistens immer. Damit der Neurochirurg dir erklären kann, welche Nerven da wo eingezwickt sind, hat er vom Kreuz ein Skelett aus Plastik, das sich auseinandernehmen lässt. Da zeigt er dir dann, wo der Hund begraben liegt oder wo er vermutlich begraben liegen kann. Damit alles klarer wird, schickt er dich zuerst noch zu einem Radiologen, der dich noch röntgen soll oder durch die Röhre schieben. Der verdient sein Geld am allerleichtesten, denn der redet fast gar nicht mit dir. Dafür hat der teure Geräte. Langweilig muss so ein Job schon sein, weil der macht ja immer nur eins, abwechselnd röntgen oder durch die Röhre schieben. Ich meine, was macht da ein Sicherheitsangestellter am Flughafen anderes? Der schaut auch nur auf den Bildschirm und freut sich, wenn er ab und zu mal was sieht, weshalb er einen Passagier noch ein bisschen tritzeln kann. Dem Radiologen ist es bestimmt auch ganz recht, wenn was mit deinem Kreuz nicht stimmt, weil dann kann er wenigsten zwei/drei Sätze zu dem Ergebnis der Untersuchung sagen. Aber egal wie, er schickt dich nachher wieder zu dem Arzt, der dich an ihn überwiesen hat, weil der muss jetzt mit dir was machen, damit es dir wieder besser geht. Er diagnostiziert nur den ganzen Tag und schreibt Arztberichte.
Zurück beim Neurochirurgen noch mal dieselbe Leier. Aber nicht, dass du jetzt meinst, du kannst nach dem Röntgen oder der Röhre so einfach zum Neurochirurgen gehen und sagen:
„Da bin ich wieder!“
Nein, da brauchst du erst wieder einen Termin. Das Leben besteht zu 100 % aus Terminen. Manche musst du nicht extra ausmachen, die kommen quasi von selbst. Geburt und Tod sind zwei solche Termine, die im Normalfall ganz von selbst kommen. Wenn ich sage im Normalfall, dann meine ich damit, dass sie grundsätzlich von selbst kommen, aber eben nicht immer. Durch einen Kaiserschnitt kann ein Frauenarzt dein Kind auch rausholen, wenn’s nicht von selber kommt oder wenn’s da drin verpennt und nicht raus will. Und wenn du gewaltsam getötet wirst, durch einen Unfall, eine Kugel oder ein Messer beispielsweise, dann kommt der Tod auch nicht von selbst. Was ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen kann ist, ob der Unfall, die Kugel oder das Messer vom Tod nicht als sein Werkzeug eingeplant worden waren. Aber wer weiß das schon? Da musst du schon religiös sein, damit du dir da sicher sein kannst. Der Monsignore-Prälat hätte da bestimmt eine Antwort mit Hand und Fuß gewusst. Aber beim Neurochirurgen hat damals im Wartezimmer kein Alois aus dem bischöflichen Ordinariat gesessen, den ich hätte fragen können, als mir solche Gedanken durch den Kopf gegangen sind. ………

Bleibende Werte

(Kurzgeschichte aus BLICK FÜRS WESENTLICHE)

Die Zeiten sind unsicher und das Geld verliert zusehends an Wert. Willst du, falls du noch genug davon hast, verhindern, dass du dir wegen der galoppierenden Inflation nach und nach gar nichts mehr von deinem Geld kaufen kannst, dann musst du rechtzeitig deine Konten plündern und dir bleibende Werte anschaffen. Diesen Rat gab mir ein Typ, von dem ich weiß, dass er im ganz großen Finanzmanagement arbeitet, dort, wo eine Million € noch kein Kapital ist, über das zu verhandeln lohnt. Weil ich mir denken kann, dass du wieder einmal nicht dazu kommst, das, was ich dir hier schreibe, zu lesen, weil du ja ständig im Stress bist, möchte ich hiermit betonen, dass gerade der Juni 2009 ist, in absehbarer Zeit wieder alles ganz anders sein kann und der Finanzheini völlig andere Ratschläge erteilen würde.

Was fürs große Geld gilt, das sollte auch fürs kleine Geld anwendbar sein! Da der Finanzberater, mit dem ich gesprochen habe, mit kleinem Geld nichts zu tun hat, kann meine Vermutung natürlich auch falsch sein, weil du mit dem kleinen Geld ganz andere Alltäglichkeiten befriedigst als mit dem großen.
Nicht, dass du jetzt das kleine Geld mit Kleingeld verwechselst, weil da sind die Verwendungsbereiche nicht nur noch mal mehr eingeschränkt, sondern eigentlich ziemlich bekannt und auf die Inflation bezogen auch weniger gravierend. Ich meine, ob du der Klofrau im Kaufhaus nun für deine Erleichterung 20 Pfennige, 20 Cent oder von mir aus, wenn du spendabel bist, sogar 50 Cent gibst, dann sind das zwar echt inflationäre Unterschiede, aber im Grunde genommen bist du froh, dass du dich erleichtern durftest, und da denkst du an keine Geldentwertung, wenn du deine Groschen laut auf das Tellerchen klimpern lässt, damit die Klofrau, falls sie gerade zu konzentriert in ihren Roman schaut, trotzdem merkt, dass du bezahlt hast. Weil nichts schlimmer ist, als der strafende Blick einer Klofrau, und du kommst dir wie ein Betrüger vor, wenn du deinen Obolus nicht ordnungsgemäß entrichtet hast.
Bestimmt kämst du auch nie auf die Idee, in einen Opferstock in der Kirche einen Geldschein zu stecken. Ähnlich ist’s beim Klingelbeutel. Oft hat der sogar ein Glöckchen unten dran, aber ich glaube nicht, dass er deshalb Klingelbeutel heißt. Das Glöckchen soll sicher nur dazu dienen, dass keiner das Opfern verschläft. Ich meine, auf die Weck- und Ruffunktion von Glocken jeder Größenordnung ist der Mensch praktisch schon seit Jahrtausenden geprägt. Aber wenn du dann wach bist, weil dich wenig vorher bei der Predigt der Sekundenschlaf übermannt hatte, dann musst du ein Geldstück in den Klingelbeutel werfen, weil sonst der Mesner und deine Nachbarn links und rechts neben dir womöglich noch meinen, du schummelst und tust nur so, als ob du was rein wirfst. Das geübte Ohr kann auch genau unterscheiden, ob du ein 2 € Stück oder nur ein 20 Cent Stück spendest. Darum kann ich dir nur den Tipp geben, mehrere Münzen zu nehmen, die ruhig kleiner sein dürfen, denn auch ein aufmerksamer Zuhörer kann unter dem ganzen Gescheppere nicht mehr ausmachen, welche Geldstücke im Einzelnen deinen Hand entglitten sind.
Pech hast du natürlich, wenn kein Klingelbeutel rum geht, sondern ein weit offenes Körbchen. Da muss es dann mindestens das 2 € Stück sein oder notfalls sogar ein Schein, weil du dich nicht lumpen lassen kannst, wenn du siehst, dass schon ein paar Scheine drin liegen, auch wenn die zum Anreiz der Mesner vorher leihweise schon aus der eigenen Tasche oder der des Pfarrers hineingelegt hatte. ……..

Urlaub

(Kurzgeschichte aus BLICK FÜRS WESENTLICHE)

…..Der absolute Mindestanspruch an ein Urlaubsbett ist für mich die Hygiene. Mir graust es ganz einfach, wenn es nicht frisch und sauber wirkt und es auch ist. Ich weiß ja nicht, wie du drauf bist, aber ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten Menschen es schon wollen, dass sie in einem hygienisch einwandfreien Bett schlafen werden, wenn sie irgendwo Urlaub machen. Wie oft das eigene Bett zu Hause überzogen oder gar die Matratze gewechselt wird, da möchte ich jetzt nicht nachfragen, weil zu Hause andere Gesetze gelten als im Urlaub. Da liegst ja auch immer nur du drin, oder jedenfalls meistens. Und dein Geruch und deine Ausdünstungen sind dir selber ja nicht zuwider, weil du dich selber ja schon okay findest. Aber im Urlaub, da möchtest du nichts zu tun haben mit all den Leuten, die schon vor dir in deinem Urlaubsbett gelegen haben
………… Gran Canaria ist mehr ein großes Altenheim, wo du als Beruf im Hotelfragebogen am besten Rentner angibst, weil dann fällst du nicht auf. Das Hotel, in dem ich mit der Edeltraud und der Josefine war, hat sich, wie bestimmt die meisten Hotels in Playa del Ingles, auf ältere Leute spezialisiert. Das habe ich gleich gemerkt, als ich mir das Bett angeschaut habe. Erstens haben die von der Edeltraud und meines nicht richtig zusammen gestanden. Du hast sie auch gar nicht richtig zusammenrücken können. Die haben sich schon was dabei gedacht, als sie die Schlafzimmer im Hotel so präpariert haben. Ältere Paare schlafen lieber weiter auseinander, weil sie das ewige Geschnarche und Gewetze des anderen nach 40 Jahren Ehe endgültig nicht mehr ertragen können.
……….. Der Mensch ist schon seltsam, aber alles, selbst das, was er zu Hause immer hat, schmeckt auswärts irgendwie interessanter, zumindest aber anders. Und auch wenn’s schlechter ist, aber jetzt hat man wenigstens einen Vergleich. Vielleicht geht es meinem Kater zu Hause auch so, weil der bettelt immer beim Nachbarn um Futter, obwohl er da dasselbe Futter wie zu Hause bekommt. Josefine merkt’s jedes Mal, wenn der Kater beim Nachbarn war, weil er dann nach dem Parfum von unserer Nachbarin riecht. Wahrscheinlich frisst er nicht nur dort, wahrscheinlich lässt er es sich auch sonst recht gut gehen beim Nachbarn……